Im Rahmen des Projektes CommunitE-Innovation bauen wir gemeinsam mit Partnern eine starke bundesweite Innovations-Community für Bürgerenergie auf. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert. Bürgerenergie-Gemeinschaften, die neue Formen der sozialen Zusammenarbeit, innovative Ansätze der Energieversorgung, neue Dienstleistungen oder neue Technologien einsetzen, konnten dafür mit bis zu 100.000 Euro gefördert werden. Die Projekte haben eine maximale Laufzeit von 18 Monaten und müssen in Zusammenarbeit mit einem Forschungspartner – etwa einer Hochschule oder Universität – durchgeführt werden.
Mit den Ausschreibungen eröffnen wir Bürgerenergie-Gemeinschaften die Chance, ihre Ideen weiterzuentwickeln und einen wichtigen Beitrag zur Energiewende zu leisten. Die Ausschreibungsrunden sind bereits abgeschlossen. Alle aktuellen Informationen findet Ihr hier auf dieser Seite.
3. Förderaufruf - Public Voting beendet!
Die dritte und letzte Ausschreibungsrunde des CommunitE-Förderaufrufs ist beendet. Unsere Fachjury hat aus den eingegangenen Bewerbungen sieben Projekte für das Public Voting nominiert. Die vier Projekte mit den meisten Stimmen erhalten eine Förderung im Rahmen von CommunitE-Innovation. Fünf weitere Projekte wurden bereits direkt zur Förderung von bis zu 100.000 € ausgewählt.
Das Voting lief vom 27. Mai bis 10. Juni.
Die Gewinner Projekte:
1. Solar sharing – Energy sharing mit verschiedenen Photovoltaikanlagen als Zukunftsfeld für Bürger:innenenergiegemeinschaften
Regional- und Energiegenossenschaft Aller-Leine-Weser eG | Reiner Lemoine Institut gGmbH
Projektidee
Mit unterschiedliche Typen von Photovoltaikanlagen – Dach-, Freiflächen- und vertikale Agri-PV-Anlagen, smart gebaut, das Dorf und die Region umfassend versorgen:
Viele Bürgerenergie-Gemeinschaften (BEG) sind vor allem in der Stromproduktion tätig. Der erzeugte Strom wird eingespeist und vermarktet, während die Mitglieder und Nachbarn der BEGs ihren Strom wieder von anderen Stromanbietern zu kaufen, während sie gerne möglichst viel Strom „ihrer“ BEG beziehen würden.
Kapitalintensive Investitionen in Batteriespeicher sind für BEGs mit finanziellen Risiken verbunden und BEGs fehlt das Know-How für einen eigene Betrieb inkl. Vermarktung. Das Projekt setzt daher auf unterschiedliche PV-Anlagen-Type, mit unterschiedlichen Erzeugungsprofilen, die gut von BEGs gebaut und betrieben werden können, um die Stromversorgung zu diversifizieren. Die Versorgung der Mitglieder und anderer Verbraucher in der Region erfolgt über Energy-Sharing.
Energy-Sharing bezeichnet Modelle, bei denen erneuerbarer Strom gemeinschaftlich genutzt und über das Verteilnetz zwischen verschiedenen Akteur:innen geteilt werden kann. Ziel ist die Stärkung der gemeinschaftsgetragenen Energieversorgung vor Ort.
Das Projekt kombiniert unterschiedliche PV-Anlagentypen – Freiflächen-PV, Dach-PV und vertikale Agri-PV – mit verschiedenen Verbraucher:innen wie einem eCarsharing-Angebot, kommunalen Liegenschaften und Genoss:innen.
Das Projekt verzichtet sowohl bei der Stromproduktion, wie auch beim Verbrauch auf synthetische Daten und arbeitet mit Realdaten einer vertikalen Agri-PV-Anlage (senkrechte Ost- und Westausrichtung), Dachanlage in Nord- und Südausrichtung und einer Freiflächenanlage in Südausrichtung. Alle Verbraucher und Erzeuger befinden sich in der gleichen Gemeinde.
Konkret analysieren wir die Erzeugungs- und Lastprofile real existierender PV-Anlagen mit teilweise stark antizyklischem Erzeugungsprofil (senkrechte Agri-PV) und Verbraucher:innen und bauen darauf ein virtuelles Energy-Sharing-System auf: Strommengen werden virtuell/rechnerisch passenden Verbraucher:innen zugeordnet, Preismodelle werden so gestaltet, dass sie für alle Beteiligten fair und attraktiv sind und gleichzeitig höhere Erlöse ermöglichen als eine rein netzorientierte Einspeisung. Die Forschungspartnerin entwickelt dafür die mathematischen Modelle und Simulationswerkzeuge, die BEG-Praxispartnerin testet diese in einem Reallabor mit realen Anlagen und Nutzer:innen.
Das Projekt bleibt explizit in der Planungs-, Erprobungs- und Markttestphase: Es geht um Konzeption, Simulation, Mess- und Steuerungskonzepte sowie einen begrenzten Pilotbetrieb; dingliche Großinvestitionen in PV-Anlagen oder Gebäude sind nicht Gegenstand der Förderung. Die Ergebnisse werden so aufbereitet, dass andere BEG sie nachvollziehen und auf ihre eigenen Standorte übertragen können. Damit leisten wir einen Beitrag zu einer sozial-gerechten, lokal verankerten Energiewende und zur bundesweiten Innovations-Community von CommunitE-Innovation.
Innovation
Unser Projekt ist innovativ, weil es technische, wirtschaftliche und soziale Innovation miteinander verbindet und ausdrücklich an aktuellen Entwicklungen rund um Energy-Sharing-Communities anknüpft. Technisch kombinieren wir drei unterschiedliche PV-Anlagentypen – Freiflächen-PV, Dach-PV und senkrechte Agri-PV – in einem gemeinsamen Modell. Freiflächen-PV liefert hohe Erträge in der Mittagszeit, Dächer verstärken diese Spitzen, während vertikale Agri-PV-Anlagen vor allem morgens und nachmittags sowie bei diffuser Strahlung vergleichsweise gut produzieren und gleichzeitig landwirtschaftliche Nutzung zulassen. Diese komplementären Erzeugungsprofile werden systematisch mit Lastprofilen von eCarsharing, kommunalen Liegenschaften und Genoss:innen abgestimmt, um möglichst viel Strom direkt vor Ort zu nutzen.
Wirtschaftlich innovativ ist der Ansatz, ohne große Zentralbatterien auszukommen, die für kleinere Genossenschaften wegen hoher Investitionen und unsicherer Marktentwicklung oft schwer tragbar sind. Stattdessen untersuchen wir, wie weit man durch kluges Kombinieren von Anlagentypen, kleineren Speichern an strategischen Punkten (z.B. am Ladepark oder an einem kommunalen Gebäude) und intelligenten Tarifen kommt. Energy-Sharing wird dabei nicht nur als technische Option, sondern als neues Geschäftsmodell verstanden, das sowohl Erlöse der BEG stabilisiert als auch lokal faire und planbare Strompreise für Beteiligte bietet.
Die soziale Innovation liegt in der Organisationsform: Bürger:innen, Kommunen, weitere Genossenschaften und Nutzer:innen von Angeboten wie eCarsharing werden in ein gemeinsames Kooperationsmodell gebracht, das auf Transparenz, Mitbestimmung und lokaler Wertschöpfung basiert. Anders als klassische Lieferverhältnisse zwischen EVU und Endkund:innen erproben wir eine Form gemeinschaftlicher Energieversorgung, die Verantwortung, Risiken und Erträge auf mehrere Schultern verteilt und zivilgesellschaftliche Akteur:innen in den Mittelpunkt stellt.
Unser Projekt ist förderwürdig, weil es ein übertragbares Referenzmodell für BEG entwickelt, das sowohl an den geplanten Marktrahmen für Energy-Sharing als auch an bestehende Möglichkeiten wie gemeinschaftliche Gebäudeversorgung anknüpft. Es ergänzt laufende Modellprojekte zu Energy-Sharing, indem es speziell die Perspektive kleinerer Bürgerenergie-Genossenschaften mit begrenztem Kapital, aber vielfältigen PV-Portfolios einnimmt.
4. Parkplatzüberdachung mit integrierter PV-Ladeinfrastruktur aus End-of-Life-Rotorblättern von Windkraftanlagen (Wind2PV)
Thagetes eG | Technische Universität Dresden, Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik
Projektidee
Die Projektidee sieht vor, End-of-Life (EoL)-Rotorblätter von Windkraftanlagen so aufzubereiten, dass sie als Parkplatzüberdachung genutzt werden können, welche gleichzeitig mit Photovoltaikmodulen und Batteriespeichern versehen werden, um Ladestrom für die darunter geparkten Elektrofahrzeuge bereitzustellen. EoL-Rotorblätter stellen aktuell und zukünftig einen stark zunehmenden Stoffstrom aus der erneuerbaren Energieerzeugung dar, für den bislang noch keine zufriedenstellenden Entsorgungslösungen existieren. Gleichzeitig verfügen die meisten EoL-Rotorblätter über ein hohes strukturelles Potenzial, welches für die vorliegende Innovation weitgehend erhalten werden soll. Konzeptionell handelt es sich dabei um ein strukturelles Repurposing, welches in der R10-Zirkularitätshierarchie einen hohen Stellenwert einnimmt. Durch diese gegenständliche Weiterverwertung werden die in den Rotorblättern enthaltenen hochwertigen Werkstoffe und die darin inkorporierte graue Energie auf hohem Niveau genutzt.
Die Rotorblätter bieten aufgrund ihres Aufbaus aus Sandwich-Flächenelementen und Composite-Balkenstrukturen die Möglichkeit, durch gezielte Trenn- und Aufbereitungsoperationen Substrukturen zu gewinnen, welche dann in handwerklicher Produktion bei regionalen Composite-KMU zu Parkplatzüberdachungen weiterverarbeitet werden können. Da Rotorblätter als große Strukturen regional anfallen und nur aufwändig transportiert werden können, ist eine lokale Verarbeitung und Aufbereitung unabdingbar. Gleichzeitig werden kommunale Entsorger entlastet und die regionale Wertschöpfung gestärkt. Auf die Parkplatzüberdachung lassen sich mit weitgehend klassischen Technologien Photovoltaikmodule montieren, welche in Speicher einspeisen, die ebenfalls unmittelbar vor Ort stehen sollen. Die lokale Stromproduktion und -speicherung wirkt entlastend auf die kommunalen Stromnetze. Weiterhin lassen sich die so überdachten Parkplätze mit Ladesäulen ausstatten, so dass die produzierte elektrische Energie direkt vor Ort genutzt werden kann.
Die Entwicklungsgenossenschaft Thagetes eG möchte perspektivisch Planung, Aufbau und Betrieb solcher Anlagen übernehmen. Damit ergibt sich ein völlig neuartiges Wertschöpfungsnetzwerk aus Windkraftbetreibern, lokalen verarbeitenden KMU, Kommunen und Energiegenossenschaften, welches mit seinem ganzheitlichen Ansatz die Energiewende unterstützt und als innovatives Geschäftsmodell konzeptionell auf viele Rotorblattmodelle, Standorte und wirtschaftliche regionale Besonderheiten angepasst werden kann.
Im Projekt sollen die notwendigen technischen, wirtschaftlichen, regulatorischen und organisatorischen Lösungskonzepte ausgearbeitet werden, um ein tragfähiges Geschäftsmodell für Energiegenossenschaften zu entwickeln. Hierzu sollen unter Federführung der Tharandter Entwicklungsgenossenschaft Thagetes eG alle beteiligten Stakeholder eingebunden werden – Composite-Spezialisten, Architekten, Parkplatzeigentümer, Netzbetreiber und Bürger.
Innovation
Für das Repurposing von EoL-Rotorblättern wurden in der Vergangenheit vielfältige Ideen aufgezeigt, wie etwa Designermöbel [1], Kinderspielplätze [2], Brückenelemente oder Fahrradunterstände [3]. Auch im Bauwesen finden sich erste Ansätze, z. B. als Verkleidung eines Parkhauses [4] oder als straßennahe Lärmschutzelemente. Gleichzeitig gibt es aktuell vielfältige Bestrebungen, Parkplätze, Straßen und sogar Agrarflächen mit Photovoltaik zu beschatten. Damit sollen einerseits eine Doppelnutzung der Fläche ermöglicht und andererseits ein angenehmes Mikroklima geschaffen werden. Die hier skizzierte Projektidee verknüpft erstmalig beide Ansätze in einer techno-ökonomisch, ökologisch und sozial innovativen Lösung.
Die technische Innovation besteht in der erstmaligen Nutzung von EoL-Rotorblättern als Trag- und Designelemente für Parkplatzüberdachungen und deren Verwendung als Trägerstruktur für Photovoltaikmodule. Durch systematische Analyse des konstruktiven Aufbaus von EoL-Rotorblättern und einen strukturierten konstruktiven Entwicklungsprozess werden die im Rotorblatt gebundenen Werkstoffe erschlossen und auf hohem Niveau wiederverwendet.
Ökologische Vorteile entstehen hierbei durch die Nutzung von EoL-Strukturen, welche in einen weiteren Produktlebenszyklus mit besonders langer Nutzungsdauer (>20 a) überführt werden. Dadurch werden Ressourcen geschont und Abfallströme vermieden. Darüber hinaus trägt der bereitgestellte PV-Strom unmittelbar zur Dekarbonisierung des Mobilitätssektors bei. So lassen sich auf einem Enercon E-40/5 Rotorblatt mit 20 m Länge (Fläche ca. 50 m²) PV-Module mit einer Gesamtleistung von bis zu 10 kWp installieren, womit pro Jahr bei horizontaler Belegung zwischen 7,5 und 10 MWh PV-Strom bereitgestellt werden können.
In ökonomischer Hinsicht ist die Entwicklung eines genossenschaftlichen Geschäftsmodells, welches bisherige Abfallströme der EEG-Branche als wertigen Ressourcenstrom in neue EEG-Produkte transformiert, besonders innovativ. Da am Vorhaben alle Partner der zukünftigen Wertschöpfungskette beteiligt werden, ist eine valide Abschätzung der Projektkosten möglich.
Der sozial innovative Charakter manifestiert sich in zwei wesentlichen Aspekten: Die genossenschaftlich getragene Initiative zur aktiven Gestaltung des regionalen urbanen und sub-urbanen Raums in Kombination mit der bürgerschaftlichen und verbrauchernahen Bereitstellung von erneuerbarer Energie vermittelt Selbstwirksamkeit, wirkt gemeinschaftsfördernd und stärkt damit auch demokratisches Engagement. Durch Repurposing von EoL-Rotorblättern wird darüber hinaus ein sichtbares, attraktives und erfolgreiches Beispiel für Kreislaufwirtschaft im EEG-Sektor aufgezeigt, was mittelbar zur Steigerung der Akzeptanz der Windenergie beitragen kann.
Aufgrund des innovativen Charakters des Vorhabens und des verbleibenden technischen sowie wirtschaftlichen Risikos der skizzierten Lösung ist eine Detailplanung und Umsetzung der Projektidee ohne Förderung nicht durchführbar, da weder BEG noch Forschungseinrichtung über eigene Mittel für derartige Entwicklungen verfügen.
[1] https://wings-for-living.de/
[2] https://www.urbismagazine.com/articles/architect-interview-jos-de-krieger/
5. Erlebbare Energiewende –Balkonkraftwerken für armutsgefährdete Haushalte zur Aktivierung für die sozial-ökologische Transformation
Bürgerenergie Thüringen e.V. (BETh) | Fachhochschule Erfurt
Projektidee
Viele Haushalte mit geringem Einkommen können aufgrund ihrer finanziellen Situation bislang keine aktive Rolle in der Energiewende einnehmen (Rode & Röder, 2025). Gleichzeitig sind sie stärker von hohen Energiepreisen und den Folgen der Erderwärmung betroffen (Priesmann et al., 2022; Friesenecker et al., 2025). Dabei unterstützen einkommensschwache Haushalte mehrheitlich die Ziele der Energiewende und wollen daran partizipieren (Hanke et al., 2023). Balkonkraftwerke können ein niedrigschwelliges Angebot für diese Haushalte darstellen. Neue Normen machen Installation und Betrieb und damit die Erzeugung von umweltfreundlichen PV-Stroms unkompliziert möglich (Verbraucherzentrale, 2025). Mit dem erzeugten Strom lassen sich Stromkosten reduzieren. Dennoch sind auch für Balkonkraftwerke Anfangsinvestitionen nötig, die sich einkommensschwache Haushalte oftmals nicht leisten können.
Hier setzt die vorliegende Projektidee an: Wir wollen diesen Haushalten den Zugang zu Balkonkraftwerken über ein Modell erleichtern, dass die kostenfreie oder bezuschusste Ausgabe von Balkonkraftwerken ermöglicht. Dafür werden aktuelle Herausforderungen in Bezug auf die Installation von Balkonkraftwerken mit verschiedenen Akteursgruppen (Wohnungsgesellschaften, soziale Träger, Stadtwerke) ermittelt und analysiert. Zudem werden verschiedene Finanzierungsmodelle geprüft (u.a. Spenden, Fördermittel, Mitgliedsbeiträge und CO2-Kompensationszahlungen), die eine Verstetigung des Angebotes auch über das Projektende hinaus ermöglichen. Insbesondere die durch Balkonkraftwerke durchschnittlich erzielte Co2-Einsparung bietet eine Grundlage, perspektivisch Kompensationszahlungen regionaler Akteure zu akquirieren und ggü. der Vielzahl bestehender Kompensationsplattformen vor Ort zu investieren.
Eine initiale Herausforderung stellt die Auswahl und Ansprache der Haushalte dar. Hier soll eine Zusammenarbeit mit dem Stromsparcheck der Caritas, der Tafel Weimar und Wohnungsunternehmen in Weimar Zugang zur Zielgruppe ermöglichen. Der Kontakt zu diesen Multiplikatoren besteht bereits bzw. wird über die Stadt Weimar hergestellt (siehe LoI). Dabei werden geeignete Formate zur zielgruppenspezifischen Ansprache erarbeitet und in einem Pilotversuch getestet. Hierfür werden 10-15 Balkonkraftwerke an Haushalte in Weimar ausgegeben und die zuvor ausgearbeiteten zielgruppenspezifischen Anspracheformate evaluiert: Bei am Pilotversuch beteiligten Haushalten werden Einstellungen und Engagement in der sozial-ökologischen Transformation erhoben und ausgewertet. Zusätzlich wird das Nutzerverhalten analysiert. Für den Transfer wird ein Leitfaden entwickelt.
Ziele des Projektes sind:
Kosteneinsparungen: Einkommensschwache Haushalte haben weniger Stromkosten, da sie den durch die Balkonkraftwerke erzeugten Strom nicht aus dem Netz beziehen müssen. Zudem sind sie weniger anfällig für Preisschocks in Krisenzeiten.
Klimafreundliche Stromproduktion: Die Balkonkraftwerke produzieren PV-Strom und tragen somit zur Dekarbonisierung des Energiesystems bei. Zudem produzieren sie den PV-Strom direkt am Ort des Verbrauchs.
Aktivierung: Die Haushalte partizipieren durch die Balkonkraftwerke an der Energiewende und erleben Selbstwirksamkeit. Die Nutzung von Balkonkraftwerken steigert die Akzeptanz für die Energiewende und regt zur weiteren Beschäftigung mit Themen der Nachhaltigkeit an.
Das Projekt verbindet den Gedanken der sozialen Teilhabe mit Klimaschutz und fördert die lokale Energiewende in Weimar.
Innovation
Das Projektvorhaben nutzt eine zielgruppenspezifische Ansprache von einkommensschwachen Haushalten, um diese zur Nutzung von Balkonkraftwerke anzuregen. Gleichzeitig soll ein Modell zur kostenlosen oder vergünstigten Ausgabe von Balkonkraftwerken insbesondere finanzielle Hürden bei der Anschaffung senken. Damit werden kommunikative, soziale und technische Aspekte zu einem innovativen Modell verzahnt und soziale Gerechtigkeit und Energiewende ganz praktisch miteinander verbunden.
Während viele Angebote im Bereich Solarenergie vor allem Haushalte erreichen, die bereits über finanzielle Mittel, Wohneigentum oder gute Informationszugänge verfügen, richtet sich dieses Projekt gezielt an Haushalte, die in diesen Punkten benachteiligt sind. Damit nimmt es eine Zielgruppe in den Blick, die von steigenden Energiekosten besonders betroffen ist, aber bisher nur selten direkt von Maßnahmen der Energiewende profitiert.
Das Projekt entwickelt und evaluiert zudem eine Ansprache an eine neue Zielgruppe: Einkommensschwache Haushalte. Balkonkraftwerke werden dabei als Instrument für Teilhabe und Aktivierung verstanden. Sie sollen zu einem Gefühl der Selbstwirksamkeit beitragen und zu weiteren nachhaltigen Verhalten anregen. Gerade diese Untersuchung von weitergehenden Wirkungen verspricht neue Erkenntnisse, die für künftige Programme und politische Entscheidungen relevant sein kann.
Das Projekt bringt zudem unterschiedliche Akteursgruppen zusammen, die bisher oft getrennt voneinander arbeiten: Bürgerenergie, Wissenschaft, soziale Träger, Wohnungswirtschaft, kommunale Akteure und weitere lokale Partner werden in einem gemeinsamen Lösungsprozess eingebunden. Dadurch sollen Hemmnisse bei Ansprache der Zielgruppe, Finanzierung, Installation und Betrieb systematisch identifiziert und bearbeitet werden. Aus einzelnen Erfahrungen soll so ein tragfähiges und übertragbares Modell entstehen.
Ein besonderer Fokus liegt auf dem geplanten Pilotvorhaben, bei dem die Ausgabe von Balkonkraftwerken an einkommensschwache Haushalte getestet wird. Hierdurch können praxisnah Erkenntnisse gesammelt werden.
Es wird im Projekt darüber hinaus untersucht, wie ein solches Angebot dauerhaft organisiert und finanziert werden kann. Dazu werden innovative Finanzierungswege geprüft, etwa Spenden, Fördermittel oder weitere gemeinschaftsbasierte Ansätze. Insbesondere die Finanzierung über lokale CO2-Kompensationszahlungen ist ein neuer Ansatz, deren Machbarkeit im Projekt untersucht wird. Die erzielten Co2-Einsparungen sollen eine Grundlage bieten, um mit regionalen Akteuren über Kompensationszahlungen direkt vor Ort zu sprechen. Dadurch müssen Kompensationszahlungen nicht mehr anonym geleistet werden, sondern können einen direkten Effekt vor Ort erzielen.
Weimar erscheint als passende Pilotregion, da sich die Stadtpolitik bereits intensiv mit dem Thema Balkonkraftwerke auseinandergesetzt hat. Eine mögliche Förderung ist an Bedenken bzgl. hoher Verwaltungskosten gescheitert. Das Projektvorhaben will hier eine innovative und schlanke Lösung aufzeigen. Die Stadt hat sich zudem in einem LoI zu einer Beteiligung als assoziierter Partner bereit erklärt, was die Offenheit für das Thema unterstreicht.
7. Repower Bürgerenergie
Re-power People e.V. | Landesverband Bürgerenergie Brandenburg e.V. | FG Management regionaler Energieversorgungssysteme an der BTU Cottbus - Senftenberg
Projektidee
Bürgerenergiegemeinschaften (BEG) haben ein Diversitätsproblem, was Gerechtigkeitsfragen aufwirft und ein langfristiges Fortbestehen gefährdet (Schwickert et al. 2025). Menschen in Vorständen und Aufsichtsräten sind in der Regel fortgeschrittenen Alters (Radtke und Ohlhorst 2021, Boostani et al. 2024). Daraus ergeben sich Herausforderungen. Zum einen besteht ein „Generationsproblem“: mühevoll aufgebaute Strukturen verfallen, sobald die Verantwortlichen ihre Tätigkeit nicht mehr ausüben können oder wollen. Zum anderen repräsentieren diese Gremien die Bevölkerung nicht: Frauen, Migrant*innen, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sind kaum vertreten. Die transformative Kraft von BEGs hängt jedoch maßgeblich von ihrem Mobilisierungspotential ab (Gregg et al. 2020). Um dieses zu stärken, braucht es neue soziale Innovationen im Kontext der BEGs (Sovacool et al. 2023).
Bisher gewinnen BEGs neue Mitglieder / privates Kapital vorwiegend projektbezogen. Wenn sie z.B. eine PV-Anlage auf einem kommunalen Dach errichten, werden durch Veranstaltungen und Pressearbeit Investitions-Chancen und BE erklärt. Größere BEGs betreiben Ladenbüros, machen Messe-Auftritte, Werbung in Fußgängerzonen und verstetigen ihre Sichtbarkeit lokal und überregional z.B. durch Social-Media. Den Ansätzen ist gemein, dass sie wenig effektiv in die Breite der Gesellschaft wirken. Vor Allem junge Menschen werden so kaum erreicht. Daher bedarf es sozialer Innovation bei der Mobilisierung.
Dafür schauen wir in Richtung der Klimabewegung, da sie mit BEGs das Ziel eint, die Energiewende voranzutreiben. Der Klimawandel zählt zu den zentralen globalen Krisen unserer Zeit und hat insbesondere junge Menschen in Bewegungen wie „Fridays for Future“ oder der Antikohle-Bewegung mobilisiert. Da BEGs dieser Herausforderung konstruktiv begegnen wollen und junge Menschen zugleich nach Lösungen suchen, bietet die Zusammenführung von Bürgerenergie und Klimabewegung großes Potenzial, um das Generationsproblem zu adressieren.
Das sind die zentralen Fragen: Welche sozialen Innovationen aus der Klimabewegung können dazu beitragen, Bürgerenergie lokal zu verjüngen, diverser zu gestalten und Kapazitäten zu schaffen? Wie führen diese Verbindungen zu gegenseitiger Stärkung? Kann dadurch die BE zu einem nächsten Fokuspunkt für Klimabewegte werden?
Wir suchen die Antworten praxisnah. Das bedeutet auf der einen Seite Methoden und Praktiken der Mobilisierung aus Klimabewegungen in der Bürgerenergie anzuwenden (z.B. Organising, Train-the-Trainer) um lokal neue Menschen zu mobilisieren und in Strukturen einzubinden. Zum anderen möchten wir das Narrativ der Bürgerenergie als transformativen Bewegungsakteur in der Klimabewegung verankern, um mit der Bewegung weitere Synergien zu kreieren.
Ziel des Projektes ist es daher:
1. Innovative Verbindungen sowie Synergiepotenziale zwischen Klimabewegung und BE zu identifizieren
2. Diese in praktischen Anwendungen mit BEGs in Brandenburg durchzuführen und so BEGs zu stärken
3. Best-Practices zu identifizieren und übertragbare Ansätze zu entwickeln
Die wissenschaftliche Begleitung der sozialen Innovationen, von der Methodenauswahl, dem empirischen Design, über die Durchführung bis hin zur Evaluation garantiert, dass die Best-Practices übertragbar und skalierbar sind.
Innovation
Während ökonomische und technische Barrieren bereits erforscht sind, setzt unser Ansatz verstärkt auf wenig erforschte sozio-kulturelle Dimensionen (Wittmayer et al. 2022). Gleichzeitig sind soziokulturelle Faktoren zentrale Barrieren für diverse BEGs (Schwickert et al. 2025). Der sozial innovative Ansatz des Forschungsprojektes nimmt zwei Ausgangspunkte um die Frage des Generations- und Diversitätsproblems zu adressieren. Zum einen übertragen wir Methoden, die erfolgreich zu einer aktuell jungen Klimabewegung beitragen, in den Kontext der Bürgerenergie. Ziel ist es so neue Zielgruppen zu erreichen und gleichzeitig neue Rollen über den techno-ökonomisch-bürokratischen Raum hinaus zu etablieren (siehe Schwickert et al. 2025 für eine Übersicht aktueller Rollen).
Durch ein interaktives Community Organising Konzept möchten wir die Basis brandenburgischer BEGs stärken, gezielt unterrepräsentierte Menschen ansprechen und inspirieren und so neue Führungspersonen aufbauen als auch Mitglieder für BEGs gewinnen. Hierfür nutzen wir soziokulturelle Organising Methoden wie gezielte Haustürgespräche, Umfragen, künstlerische Workshops und Interventionen oder Filmvorführungen, während wir gleichzeitig Orte des Austauschs und Kennenlernens schaffen. So binden wir aktive Menschen in Strukturen ein und zeigen konkrete Möglichkeiten des Mitwirkens auf, von der künstlerischen Gestaltung von Elementen, bis hin zu Koordinations- oder Repro-Aufgaben. Unsere Zielgruppe sind junge Menschen (unter 30), insbesondere Frauen/Flintas und in BEGs unterrepräsentierte Gruppen.
Zum anderen soll in die Klimabewegung hineingewirkt werden: Indem wir BEGs und Energiesouveränität als Organisierungsmöglichkeit in Zeiten globaler Krisen aufzeigen, möchten wir einen nächsten Fokuspunkt für Klimabewegte setzen. So können sie aktiv und solidarisch ihre Kenntnisse anwenden, um Menschen insbesondere in ländlichen Energieerzeugungsorten zu organisieren, in denen die Klimabewegung bislang wenig präsent war. Dafür soll zu Beginn des Projektes das Narrativ der Bürgerenergie als transformativer Bewegungsakteur gestärkt werden. Hier werden wir die synergistischen Potenziale von Klimabewegung und Bürgerenergie aus Sicht verschiedener Transformationsmodi (Wright 2010, 2019) analysieren. Wir bringen sie mit den aktuellen Problemen der jeweiligen Akteure (Generationsproblem der BE und Bewegungstief/Selbstwirksamkeit der Klimabewegung) in Verbindung. Diese Erkenntnisse sollen sowohl in einer bewegungsnahen Zeitschrift veröffentlicht werden, als auch Einklang in Mobilisierungsworkshops auf Veranstaltungen der Klimabewegung wie bspw. Klimacamps finden.
Beendet! 3. Förderaufruf für CommunitE-Innovationsprojekte
Innovative Projekte können im Rahmen der Bürgerenergie-Innovationscommunity „CommunitE“ mit 100.000€ gefördert werden. Die Frist zu Einreichung von Projekten für diese Förderung lief bis zum 26.04.2026, 23:59 Uhr.
Beendet! 2. Förderaufruf für CommunitE – Schwerpunkt Wärme
Innovative Wärme-Projekte können im Rahmen der Bürgerenergie-Innovationscommunity „CommunitE“ mit 100.000€ gefördert werden. Die Frist zu Einreichung von Projekten für diese Förderung lief bis zum 11.01.2026.
Beendet! 1. Förderaufruf für CommunitE-Innovationsprojekte
Die Frist zur Einreichung von Projekten für diese Förderung lief bis zum 31.08.2025. Es Bewarben sich 29 Projekte aus 13 Bundesländern (Verteilung der Bundesländer siehe Grafik).
Am 17. Juni gab es eigens für den Förderaufruf ein Webinar zur Ideenfindung und Beratung zum Antragsprozess.
Die Aufzeichnung des Webinars ist hier zu finden: Aufzeichnung
Kontakt
Sie möchten mehr über das Projekt erfahren oder haben Fragen zu den Ausschreibungen? Dann kommen Sie gern auf uns zu. Wir beraten und unterstützen Sie bei Ihrem Anliegen und freuen uns über Ihr Interesse.


