Bündnis Bürgerenergie e.V. IÖW: Institut für ökologische Wirtschaftsforschung

3. Förderaufruf - Public Voting beendet!

Die dritte und letzte Ausschreibungsrunde des CommunitE-Förderaufrufs ist nun beendet. Unsere Fachjury hat aus den eingegangenen Bewerbungen sieben Projekte für das Public Voting nominiert. Die vier Projekte mit den meisten Stimmen erhalten eine Förderung im Rahmen von CommunitE-Innovation. Fünf weitere Projekte wurden bereits direkt zur Förderung von bis zu 100.000 € ausgewählt.

Jetzt ist unsere Bürgerenergie-Community gefragt! Jede und jeder darf abstimmen und bekommt zwei Stimmen. Um eine faire Abstimmung zu gewährleisten, wird eine E-Mail-Adresse abgefragt, sodass jede Person nur einmal teilnehmen kann.

Das Voting lief vom 27. Mai bis 10. Juni.

 

 

1. Solar sharing – Energy sharing mit verschiedenen Photovoltaikanlagen als Zukunftsfeld für Bürger:innenenergiegemeinschaften

Regional- und Energiegenossenschaft Aller-Leine-Weser eG | Reiner Lemoine Institut gGmbH

Projektidee

Mit unterschiedliche Typen von Photovoltaikanlagen – Dach-, Freiflächen- und vertikale Agri-PV-Anlagen, smart gebaut, das Dorf und die Region umfassend versorgen: 

Viele Bürgerenergie-Gemeinschaften (BEG) sind vor allem in der Stromproduktion tätig. Der erzeugte Strom wird eingespeist und vermarktet, während die Mitglieder und Nachbarn der BEGs ihren Strom wieder von anderen Stromanbietern zu kaufen, während sie gerne möglichst viel Strom „ihrer“ BEG beziehen würden. 

Kapitalintensive Investitionen in Batteriespeicher sind für BEGs mit finanziellen Risiken verbunden und BEGs fehlt das Know-How für einen eigene Betrieb inkl. Vermarktung. Das Projekt setzt daher auf unterschiedliche PV-Anlagen-Type, mit unterschiedlichen Erzeugungsprofilen, die gut von BEGs gebaut und betrieben werden können, um die Stromversorgung zu diversifizieren. Die Versorgung der Mitglieder und anderer Verbraucher in der Region erfolgt über Energy-Sharing.  

Energy-Sharing bezeichnet Modelle, bei denen erneuerbarer Strom gemeinschaftlich genutzt und über das Verteilnetz zwischen verschiedenen Akteur:innen geteilt werden kann. Ziel ist die Stärkung der gemeinschafts­getragenen Energie­versorgung vor Ort. 

Das Projekt kombiniert unterschiedliche PV-Anlagentypen – Freiflächen-PV, Dach-PV und vertikale Agri-PV – mit verschiedenen Verbraucher:innen wie einem eCarsharing-Angebot, kommunalen Liegenschaften und Genoss:innen. 

Das Projekt verzichtet sowohl bei der Stromproduktion, wie auch beim Verbrauch auf synthetische Daten und arbeitet mit Realdaten einer vertikalen Agri-PV-Anlage (senkrechte Ost- und Westausrichtung), Dachanlage in Nord- und Südausrichtung und einer Freiflächenanlage in Südausrichtung. Alle Verbraucher und Erzeuger befinden sich in der gleichen Gemeinde. 

Konkret analysieren wir die Erzeugungs- und Lastprofile real existierender PV-Anlagen mit teilweise stark antizyklischem Erzeugungsprofil (senkrechte Agri-PV) und Verbraucher:innen und bauen darauf ein virtuelles Energy-Sharing-System auf: Strommengen werden virtuell/rechnerisch passenden Verbraucher:innen zugeordnet, Preismodelle werden so gestaltet, dass sie für alle Beteiligten fair und attraktiv sind und gleichzeitig höhere Erlöse ermöglichen als eine rein netzorientierte Einspeisung. Die Forschungspartnerin entwickelt dafür die mathematischen Modelle und Simulationswerkzeuge, die BEG-Praxispartnerin testet diese in einem Reallabor mit realen Anlagen und Nutzer:innen. 

Das Projekt bleibt explizit in der Planungs-, Erprobungs- und Markttestphase: Es geht um Konzeption, Simulation, Mess- und Steuerungskonzepte sowie einen begrenzten Pilotbetrieb; dingliche Großinvestitionen in PV-Anlagen oder Gebäude sind nicht Gegenstand der Förderung. Die Ergebnisse werden so aufbereitet, dass andere BEG sie nachvollziehen und auf ihre eigenen Standorte übertragen können. Damit leisten wir einen Beitrag zu einer sozial-gerechten, lokal verankerten Energiewende und zur bundesweiten Innovations-Community von CommunitE-Innovation. 

 

Innovation

Unser Projekt ist innovativ, weil es technische, wirtschaftliche und soziale Innovation miteinander verbindet und ausdrücklich an aktuellen Entwicklungen rund um Energy-Sharing-Communities anknüpft. Technisch kombinieren wir drei unterschiedliche PV-Anlagentypen – Freiflächen-PV, Dach-PV und senkrechte Agri-PV – in einem gemeinsamen Modell. Freiflächen-PV liefert hohe Erträge in der Mittagszeit, Dächer verstärken diese Spitzen, während vertikale Agri-PV-Anlagen vor allem morgens und nachmittags sowie bei diffuser Strahlung vergleichsweise gut produzieren und gleichzeitig landwirtschaftliche Nutzung zulassen. Diese komplementären Erzeugungsprofile werden systematisch mit Lastprofilen von eCarsharing, kommunalen Liegenschaften und Genoss:innen abgestimmt, um möglichst viel Strom direkt vor Ort zu nutzen. 

Wirtschaftlich innovativ ist der Ansatz, ohne große Zentralbatterien auszukommen, die für kleinere Genossenschaften wegen hoher Investitionen und unsicherer Marktentwicklung oft schwer tragbar sind. Stattdessen untersuchen wir, wie weit man durch kluges Kombinieren von Anlagentypen, kleineren Speichern an strategischen Punkten (z.B. am Ladepark oder an einem kommunalen Gebäude) und intelligenten Tarifen kommt. Energy-Sharing wird dabei nicht nur als technische Option, sondern als neues Geschäftsmodell verstanden, das sowohl Erlöse der BEG stabilisiert als auch lokal faire und planbare Strompreise für Beteiligte bietet. 

Die soziale Innovation liegt in der Organisationsform: Bürger:innen, Kommunen, weitere Genossenschaften und Nutzer:innen von Angeboten wie eCarsharing werden in ein gemeinsames Kooperationsmodell gebracht, das auf Transparenz, Mitbestimmung und lokaler Wertschöpfung basiert. Anders als klassische Lieferverhältnisse zwischen EVU und Endkund:innen erproben wir eine Form gemein­schaftlicher Energie­versorgung, die Verantwortung, Risiken und Erträge auf mehrere Schultern verteilt und zivilgesellschaftliche Akteur:innen in den Mittelpunkt stellt. 

Unser Projekt ist förderwürdig, weil es ein übertragbares Referenzmodell für BEG entwickelt, das sowohl an den geplanten Marktrahmen für Energy-Sharing als auch an bestehende Möglichkeiten wie gemein­schaftliche Gebäudeversorgung anknüpft. Es ergänzt laufende Modellprojekte zu Energy-Sharing, indem es speziell die Perspektive kleinerer Bürgerenergie-Genossenschaften mit begrenztem Kapital, aber vielfältigen PV-Portfolios einnimmt. 

2. Entwicklung einer Hausübergabestation für Nahwärmenetze mit Wärmepumpen-optimierten Netztemperaturen und Pulsbetrieb

SE PV GmbH & Co. KG | Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg 

 

Projektidee

Das Hauptthema des Projekts ist die Weiterentwicklung von Hausübergabestationen in Niedertemperaturwärmenetzen durch die Integration von Booster-Wärmepumpen. Diese Wärmepumpen übernehmen bei Bedarf die Anhebung der im Netz bereitgestellten Niedertemperaturwärme auf das erforderliche Temperaturniveau für Raumheizung und Warmwasserbereitung. Dadurch entsteht ein hybrides Versorgungssystem, das die Vorteile zentraler Infrastruktur mit der Effizienz und Flexibilität dezentraler Wärmepumpentechnologie verbindet. 

Ein weiterer Innovationsschwerpunkt liegt in der Optimierung des Betriebs bei niedrigen Netztemperaturen sowie in der Entwicklung alternativer Betriebsstrategien wie Lastmodulation oder Pulsbetrieb. Dabei wird das Wärmenetz nicht kontinuierlich auf Vorlauftemperatur gehalten, sondern bedarfsgerecht in definierten Intervallen (z. B. ein- bis dreimal täglich) aufgeheizt. Dies wird durch in die Hausübergabestationen integrierte dezentrale Pufferspeicher ermöglicht. In den Zwischenphasen erfolgt der Betrieb auf einem energetisch optimierten, niedrigeren Temperaturniveau. 

Das Projekt ist eingebettet in die Planung und Umsetzung eines innovativen Nahwärmenetzes zur klimafreundlichen Wärmeversorgung einer Kommune in Baden-Württemberg. Im Vorfeld wurde bereits eine Machbarkeitsstudie beauftragt, die sich derzeit in Bearbeitung befindet. Innerhalb dieser Studie wird eine Wärmeversorgung auf Basis einer Grundwasser-Großwärmepumpe als zentrale Wärmeerzeugungsanlage als bevorzugte Variante identifiziert. 

Ziel des übergeordneten Vorhabens ist es, die Energieeffizienz der Wärmeversorgung im Gebäudebestand signifikant zu erhöhen, CO₂-Emissionen nachhaltig zu reduzieren und gleichzeitig eine wirtschaftlich tragfähige sowie sozial akzeptierte Wärmeversorgung sicherzustellen. Dies soll durch die Weiterentwicklung konventioneller Wärmenetze hin zu einem Niedertemperatur-Nahwärmenetz mit angestrebten Vorlauftemperaturen von etwa 60–70 °C erreicht werden. Ein wichtiger Baustein dafür ist die Integration neuartiger, auf den Wärmepumpenbetrieb optimierter Hausübergabestationen, deren Entwicklung Inhalt des Antrags ist. Simulationsbasierte Untersuchungen der ebök GmbH zeigen, dass bei den vorgesehenen Netztemperaturen lediglich etwa die Hälfte der Wärmeabnehmer mit einer Booster-Wärmepumpe ausgestattet werden muss. Dies führt zu deutlich reduzierten Gesamtkosten im Vergleich zu klassischen warmen Nahwärmenetzen und vermeidet zugleich die Notwendigkeit, in jedem Gebäude eine eigene Wärmepumpe zu installieren. 

Diese Systemstrategie ist sowohl für neu errichtete Wärmenetze als auch für Teilbereiche bestehender Netzinfrastrukturen geeignet. Durch die Absenkung der Netztemperaturen können Wärmeverluste im Leitungsnetz deutlich reduziert und zugleich die Voraussetzungen geschaffen werden, Umweltwärmequellen – insbesondere Grundwasser – effizienter zu nutzen sowie erneuerbare Energien stärker in das Gesamtsystem zu integrieren. 

Das Projektumfeld ist geprägt von der Herausforderung, bestehende, häufig fossil geprägte Wärmeversorgungsstrukturen schrittweise in klimaneutrale Systeme zu transformieren. Insbesondere in Bestandsquartieren mit heterogener Gebäudestruktur bestehen hohe Anforderungen an technische Flexibilität, Versorgungssicherheit und Nachrüstbarkeit, wobei tiefgreifende bauliche Eingriffe in die Gebäude möglichst vermieden werden sollen.

 

Innovation 

Die Grundlage der Innovation liegt in den angestrebten Netzvorlauftemperaturen. Im Vergleich zu klassischen warmen Nahwärmenetzen mit deutlich höheren Betriebstemperaturen werden die Netzverluste signifikant reduziert und die Integration erneuerbarer Wärmequellenzugleich vereinfacht. Im Unterschied zu klassischen kalten Wärmenetzen ist auf dem angestrebten Vorlauftemperaturniveau nicht für jeden Anschluss eine Wärmepumpe erforderlich; für viele Abnehmer ist die bereitgestellte Netztemperatur bereits ausreichend. Damit entsteht ein effizienter Kompromiss zwischen Verlustreduktion, erhöhter Wärmepumpen- und Kosteneffizienz sowie minimiertem Einsatz dezentraler Technik. 

Zentraler Innovationsbaustein ist die Entwicklung und Verwendung einer neuartigen Hausübergabestation mit integrierter Booster-Wärmepumpe und Pufferspeicher. Diese übernimmt nicht nur die Wärmeübergabe, sondern hebt das Temperaturniveau bedarfsgerecht auf das jeweils erforderliche Nutztemperaturniveau im Gebäude an. Die Wärmepumpe wird damit systemisch als Bestandteil des Wärmenetzes verstanden und nicht ausschließlich als gebäudeseitige Einzelanlage. Dadurch entstehen neue Potenziale für Effizienzsteigerung, Lastmanagement und Systemflexibilität. 

Zusätzlich wird ein innovativer Betriebsansatz verfolgt, der eine optimierte, gegebenenfalls pulsierende Fahrweise des Wärmenetzes vorsieht. In Schwachlastzeiten kann die Wärmebereitstellung bedarfsgerecht reduziert werden, wodurch insbesondere die in diesen Phasen überproportional hohen Netzverluste deutlich gesenkt werden. Dieser Ansatz stützt sich auf die Forschungsarbeit der TU Dresden im Projekt „ZellFlex“1

Ein wesentliches Alleinstellungsmerkmal des Projekts ist die gezielte Anwendung im Gebäudebestand. Während Niedertemperatur- und LowEx-Netze bislang überwiegend im Neubaukontext umgesetzt werden, adressiert dieses Vorhaben die Transformation bestehender Versorgungsstrukturen. Damit werden zentrale Herausforderungen hinsichtlich Wirtschaftlichkeit, baulicher Integration und Betriebssicherheit systematisch bearbeitet. 

Sozial innovativ werden die durch den Einsatz dezentraler Booster-Wärmepumpen entstehenden zusätzlichen Stromkosten vom Wärmenetzbetreiber getragen und solidarisch auf die Wärmekosten umgelegt. Dadurch profitieren alle angeschlossenen Nutzer von insgesamt niedrigeren Wärmepreisen. Die Vorteile niedriger Netztemperaturen werden somit gemeinschaftlich realisiert, ohne einzelne Haushalte unverhältnismäßig durch zusätzliche Stromkosten zu belasten. Gleichzeitig erhöht dieser Ansatz die soziale Akzeptanz von Niedertemperaturnetzen, die bislang häufig durch Bedenken hinsichtlich Komforteinbußen und zusätzlicher Stromkosten eingeschränkt ist. 

Das Projekt sollte gefördert werden, da es eine skalierbare und übertragbare Lösung für die Dekarbonisierung der Wärmeversorgung im Bestand entwickelt. Ohne eine entsprechende Förderung wäre eine derart umfassende Analyse und Entwicklung, die die Übertragbarkeit des Konzepts sicherstellt, für eine Bürgerenergiegemeinschaft finanziell nicht darstellbar. 

3. KIEZ – Kooperative Integration und Entwicklung zukunftsfähiger Wärmenetze

Verein Wärmewende Friedenau e.V. | Zentrum Technik und Gesellschaft (ZTG), Einrichtung der TU Berlin

 

Projektidee 

In innerstädtischen Quartieren ist die Wärmewende vor allem ein gesellschaftliches und orga-nisatorisches Problem. Mietende, selbstnutzende Eigentümer*innen, Vermietende, Gewerbe, Kommune, Netzbetreiber und Energieversorger sind heute nicht gemeinsam organisiert, müssen aber für eine klimaneutrale Wärmeversorgung zusammenwirken. Dabei wird perspektivisch ein System angestrebt, in dem die beteiligten Akteure nicht nur Energie beziehen, sondern auch selbst zur Energie­versorgung beitragen können. Gleichzeitig ist absehbar, dass langfristig nur zwei klimaneutrale Optionen bestehen: zentrale Fernwärme (FW) oder ein dezentrales, quartiersbezogenes kaltes Nahwärmenetz (KNWN). 

Friedenau-Süd (F-Süd) ist ein dicht bebautes Berliner Bestandsquartier mit heterogener Wärmeversorgung aus Gas, Fernwärme und teilweise Öl. Gleichzeitig zeigen sich erste infra-strukturelle Grenzen der FW, etwa durch begrenzte Anschlusskapazitäten und hydraulische Restriktionen im FW-Bestandsnetz. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage wie zentrale (FW) und dezentrale Systeme (KNWN) künftig sinnvoll zusammenspielen können. 

Das Projekt untersucht, wie ein solcher Transformationsprozess im Quartier gestaltet werden kann. Im Fokus steht nicht die technische Entwicklung eines Wärmenetzes, sondern die Frage, wie unterschiedliche Akteursgruppen gemeinsam tragfähige Lösungen entwickeln können. 

Der Praxispartner WWFr übernimmt dabei einerseits die Rolle des Vermittlers zu Verwaltung und Versorgern und andererseits die Rolle einer vermittelnden und organisierenden Instanz im Quartier. Sie bringt unterschiedliche Gruppen zusammen, macht komplexe Zusammen-hänge verständlich und begleitet den Prozess zu einer gemeinsamen Energiegenossenschaft. Der Forschungspartner ZTG unterstützt dies durch sozialwissenschaftliche transdisziplinäre (td) Methoden, Analyse und Auswertung. 

Im Projekt werden zwei zentrale Handlungsfelder bearbeitet: 

Erstens wird untersucht, wie WWFr systematisch in die kommunale Wärmeplanung (KWP) einschließlich Planungsprozesse von Strom- und Straßeninfrastrukturen eingebunden werden kann. Ziel ist die Entwicklung eines übertragbaren Ansatzes, der eine frühzeitige und verbind-liche Beteiligung der WWFr in die KWP ermöglicht. 

Zweitens wird erforscht, wie ein partizipativer Prozess gestaltet werden kann, der unterschiedliche Interessenlagen im Quartier zusammenführt. Dabei wird untersucht, welche Argumente, Vorteile und Beteiligungsformate verschiedene Gruppen überzeugen, sich an einem gemeinsamen Energieprojekt zu beteiligen. Ziel ist ein integriertes Quartiers-Modell für die Entwicklung einer handlungsfähigen Energiegenossenschaft in einer heterogenen Nachbarschaft und Akteursvielfalt.  

Mit der Konstellationsanalyse [1], eine Methode, die am ZTG entwickelt wurde, werden Grundlagen der KWP und der Quartiersanalyse erstellt. Diese Erkenntnisse werden für die Entwicklung unterschiedlicher Lösungsoptionen für KNWN - sowohl mit als auch ohne Einbindung in bestehende FW-Strukturen - genutzt. Die jeweiligen Vor- und Nachteile sollen verständlich gemacht werden, um eine informierte und gemeinsam getragene Entscheidung zu ermöglichen. 

Das Projekt ist als Forschungs- und Entwicklungsphase angelegt und umfasst keine Inves-titionen in Infrastruktur. Es schafft die Grundlage für eine spätere Umsetzung durch eine Bürgerenergie-Genossenschaft und liefert übertragbare Erkenntnisse für vergleichbare inner-städtische Quartiere. 

 

Innovation 

Die Wärmewende wird in der Praxis bislang vor allem technisch, ökonomisch und regulatorisch gedacht [2]. In dicht bebauten innerstädtischen Quartieren liegt die zentrale Herausforderung jedoch weniger in der Verfügbarkeit von Technologien als in der fehlenden Einbindung und Organisation relevanter Akteursgruppen sowie in unzureichenden institutionellen Prozessen. 

Leitfäden zur kommunalen Wärmeplanung – etwa von der dena [3] – betonen zwar die Bedeutung der Beteiligung [4] heterogener Akteure, binden in der Praxis jedoch vor allem Verwaltung, Politik und Energiewirtschaft ein. Die Öffentlichkeit wird überwiegend informiert und punktuell konsultiert, aber selten in die Entwicklung von Lösungen einbezogen. Daher sind dezentrale Wärmeprojekte in Bürgerhand im innerstädtischen Kontext derzeit faktisch nicht umsetzbar. 

Die Innovation in diesem Projekt besteht aus drei miteinander verknüpften Bausteinen: 

1. Institutionelle Innovation: 

Bürgerenergie-Akteure wie die WWFr werden bereits in der Planungsphase systematisch in Abstimmungsprozesse mit Bezirken, Versorgern und Infrastrukturträgern eingebunden. Im Projekt wird ein übertragbarer Prozessablauf entwickelt, der eine frühzeitige, strukturierte und verbindliche Beteiligung ermöglicht und damit die Voraussetzung schafft, Wärmeprojekte in Bürgerhand im urbanen Raum umzusetzen. 

2. Sozial-ökologische Innovation: 

Im Pilotprojekt F-Süd müssen Mietende, selbstnutzende Eigentümer*innen, Vermietende und Gewerbe erstmals gemeinsam handeln. Das Projekt untersucht, welche Ansprache, Argumen-te und Vorteile bzw. Anreizeunterschiedliche Gruppen überzeugen, um ein innovatives gemein­schaftliches Energie­versorgungsmodell zu entwickeln. 

3. Prozessinnovation: 

Unterschiedliche Optionen für Wärmeversorgung durch KNWN und / oder FW werden transparent aufbereitet. So entstehen fundierte und gemeinsam getragene Entscheidungen. Daraus wird ein übertragbarer Entscheidungsprozess für komplexe Wärmeinfrastrukturen im urbanen Bestand entwickelt. 

Neu ist die Kombination dieser Bausteine: Die Einbindung von BEGs in Planungsprozesse, die Entwicklung partizipativer Prozesse im Quartier und die Gestaltung transparenter Entschei-dungsgrundlagen werden erstmals integriert betrachtet und praktisch erprobt. 

Die WWFr bringt Kiez-Expertise und lokale Vernetzung ein, das ZTG methodische Kompetenz in Td-Prozessen [5], Konstellationsanalyse [1] und Auswertung. Gemeinsam werden wirksame Ansätze für Partizipation und Vernetzung entwickelt, u. a. durch qualitätsgesicherte Workshops, gezielte Ansprache verschiedener Gruppen sowie digitale Erhebungs- und Auswertungsmethoden. 

Die Zusammenarbeit orientiert sich an kooperativen Organisationsansätzen und Prinzipien transdisziplinärer Forschung, bei denen fachliche Expertise und die Perspektiven der Betrof-fenen systematisch zusammengeführt werden. Dadurch entstehen flexiblere Versorgungs-optionen, tragfähigere Entscheidungen und höhere Akzeptanz für eine langfristige Transfor-mation der Infrastruktur. 

Die Ergebnisse schaffen konkrete Entscheidungs- und Beteiligungsgrundlagen für die Umsetzung eines KNWN in Form einer Energiegenossenschaft in Bürgerhand und zeigen übertragbar, wie BEGs im urbanen Raum frühzeitig in Planungsprozesse eingebunden und als relevante Stakeholder wirksam beteiligt werden können.  

4. Parkplatzüberdachung mit integrierter PV-Ladeinfrastruktur aus End-of-Life-Rotorblättern von Windkraftanlagen (Wind2PV)

Thagetes eG | Technische Universität Dresden, Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik

 

Projektidee 

Die Projektidee sieht vor, End-of-Life (EoL)-Rotorblätter von Windkraftanlagen so aufzubereiten, dass sie als Parkplatzüberdachung genutzt werden können, welche gleichzeitig mit Photovoltaikmodulen und Batteriespeichern versehen werden, um Ladestrom für die darunter geparkten Elektrofahrzeuge bereitzustellen. EoL-Rotorblätter stellen aktuell und zukünftig einen stark zunehmenden Stoffstrom aus der erneuerbaren Energieerzeugung dar, für den bislang noch keine zufriedenstellenden Entsorgungslösungen existieren. Gleichzeitig verfügen die meisten EoL-Rotorblätter über ein hohes strukturelles Potenzial, welches für die vorliegende Innovation weitgehend erhalten werden soll. Konzeptionell handelt es sich dabei um ein strukturelles Repurposing, welches in der R10-Zirkularitätshierarchie einen hohen Stellenwert einnimmt. Durch diese gegenständliche Weiterverwertung werden die in den Rotorblättern enthaltenen hochwertigen Werkstoffe und die darin inkorporierte graue Energie auf hohem Niveau genutzt. 

Die Rotorblätter bieten aufgrund ihres Aufbaus aus Sandwich-Flächenelementen und Composite-Balkenstrukturen die Möglichkeit, durch gezielte Trenn- und Aufbereitungsoperationen Substrukturen zu gewinnen, welche dann in handwerklicher Produktion bei regionalen Composite-KMU zu Parkplatzüberdachungen weiterverarbeitet werden können. Da Rotorblätter als große Strukturen regional anfallen und nur aufwändig transportiert werden können, ist eine lokale Verarbeitung und Aufbereitung unabdingbar. Gleichzeitig werden kommunale Entsorger entlastet und die regionale Wertschöpfung gestärkt. Auf die Parkplatzüberdachung lassen sich mit weitgehend klassischen Technologien Photovoltaikmodule montieren, welche in Speicher einspeisen, die ebenfalls unmittelbar vor Ort stehen sollen. Die lokale Stromproduktion und -speicherung wirkt entlastend auf die kommunalen Stromnetze. Weiterhin lassen sich die so überdachten Parkplätze mit Ladesäulen ausstatten, so dass die produzierte elektrische Energie direkt vor Ort genutzt werden kann. 

Die Entwicklungsgenossenschaft Thagetes eG möchte perspektivisch Planung, Aufbau und Betrieb solcher Anlagen übernehmen. Damit ergibt sich ein völlig neuartiges Wertschöpfungsnetzwerk aus Windkraftbetreibern, lokalen verarbeitenden KMU, Kommunen und Energiegenossenschaften, welches mit seinem ganzheitlichen Ansatz die Energiewende unterstützt und als innovatives Geschäftsmodell konzeptionell auf viele Rotorblattmodelle, Standorte und wirtschaftliche regionale Besonderheiten angepasst werden kann. 

Im Projekt sollen die notwendigen technischen, wirtschaftlichen, regulatorischen und organisatorischen Lösungskonzepte ausgearbeitet werden, um ein tragfähiges Geschäftsmodell für Energiegenossenschaften zu entwickeln. Hierzu sollen unter Federführung der Tharandter Entwicklungsgenossenschaft Thagetes eG alle beteiligten Stakeholder eingebunden werden – Composite-Spezialisten, Architekten, Parkplatzeigentümer, Netzbetreiber und Bürger.

 

Innovation 

Für das Repurposing von EoL-Rotorblättern wurden in der Vergangenheit vielfältige Ideen aufgezeigt, wie etwa Designermöbel [1], Kinderspielplätze [2], Brückenelemente oder Fahrradunterstände [3]. Auch im Bauwesen finden sich erste Ansätze, z. B. als Verkleidung eines Parkhauses [4] oder als straßennahe Lärmschutzelemente. Gleichzeitig gibt es aktuell vielfältige Bestrebungen, Parkplätze, Straßen und sogar Agrarflächen mit Photovoltaik zu beschatten. Damit sollen einerseits eine Doppelnutzung der Fläche ermöglicht und andererseits ein angenehmes Mikroklima geschaffen werden. Die hier skizzierte Projektidee verknüpft erstmalig beide Ansätze in einer techno-ökonomisch, ökologisch und sozial innovativen Lösung. 

Die technische Innovation besteht in der erstmaligen Nutzung von EoL-Rotorblättern als Trag- und Designelemente für Parkplatzüberdachungen und deren Verwendung als Trägerstruktur für Photovoltaikmodule. Durch systematische Analyse des konstruktiven Aufbaus von EoL-Rotorblättern und einen strukturierten konstruktiven Entwicklungsprozess werden die im Rotorblatt gebundenen Werkstoffe erschlossen und auf hohem Niveau wiederverwendet. 

Ökologische Vorteile entstehen hierbei durch die Nutzung von EoL-Strukturen, welche in einen weiteren Produktlebenszyklus mit besonders langer Nutzungsdauer (>20 a) überführt werden. Dadurch werden Ressourcen geschont und Abfallströme vermieden. Darüber hinaus trägt der bereitgestellte PV-Strom unmittelbar zur Dekarbonisierung des Mobilitätssektors bei. So lassen sich auf einem Enercon E-40/5 Rotorblatt mit 20 m Länge (Fläche ca. 50 m²) PV-Module mit einer Gesamtleistung von bis zu 10 kWp installieren, womit pro Jahr bei horizontaler Belegung zwischen 7,5 und 10 MWh PV-Strom bereitgestellt werden können.  

In ökonomischer Hinsicht ist die Entwicklung eines genossenschaftlichen Geschäftsmodells, welches bisherige Abfallströme der EEG-Branche als wertigen Ressourcenstrom in neue EEG-Produkte transformiert, besonders innovativ. Da am Vorhaben alle Partner der zukünftigen Wertschöpfungskette beteiligt werden, ist eine valide Abschätzung der Projektkosten möglich. 

Der sozial innovative Charakter manifestiert sich in zwei wesentlichen Aspekten: Die genossenschaftlich getragene Initiative zur aktiven Gestaltung des regionalen urbanen und sub-urbanen Raums in Kombination mit der bürgerschaftlichen und verbrauchernahen Bereitstellung von erneuerbarer Energie vermittelt Selbstwirksamkeit, wirkt gemeinschaftsfördernd und stärkt damit auch demokratisches Engagement. Durch Repurposing von EoL-Rotorblättern wird darüber hinaus ein sichtbares, attraktives und erfolgreiches Beispiel für Kreislaufwirtschaft im EEG-Sektor aufgezeigt, was mittelbar zur Steigerung der Akzeptanz der Windenergie beitragen kann. 

Aufgrund des innovativen Charakters des Vorhabens und des verbleibenden technischen sowie wirtschaftlichen Risikos der skizzierten Lösung ist eine Detailplanung und Umsetzung der Projektidee ohne Förderung nicht durchführbar, da weder BEG noch Forschungseinrichtung über eigene Mittel für derartige Entwicklungen verfügen. 

 

[1] https://wings-for-living.de/ 

[2] https://www.urbismagazine.com/articles/architect-interview-jos-de-krieger/  

[3] https://www.re-wind.info/ 

[4] https://www.ingenieur.de/technik/fachbereiche/architektur/was-tun-mit-alten-windraedern-schweden-baut-daraus-ein-parkhaus/

5. Erlebbare Energiewende –Balkonkraftwerken für armutsgefährdete Haushalte zur Aktivierung für die sozial-ökologische Transformation

Bürgerenergie Thüringen e.V. (BETh) | Fachhochschule Erfurt 

 

Projektidee

Viele Haushalte mit geringem Einkommen können aufgrund ihrer finanziellen Situation bislang keine aktive Rolle in der Energiewende einnehmen (Rode & Röder, 2025). Gleichzeitig sind sie stärker von hohen Energiepreisen und den Folgen der Erderwärmung betroffen (Priesmann et al., 2022; Friesenecker et al., 2025). Dabei unterstützen einkommensschwache Haushalte mehrheitlich die Ziele der Energiewende und wollen daran partizipieren (Hanke et al., 2023). Balkonkraftwerke können ein niedrigschwelliges Angebot für diese Haushalte darstellen. Neue Normen machen Installation und Betrieb und damit die Erzeugung von umweltfreundlichen PV-Stroms unkompliziert möglich (Verbraucherzentrale, 2025). Mit dem erzeugten Strom lassen sich Stromkosten reduzieren. Dennoch sind auch für Balkonkraftwerke Anfangsinvestitionen nötig, die sich einkommensschwache Haushalte oftmals nicht leisten können.  

Hier setzt die vorliegende Projektidee an: Wir wollen diesen Haushalten den Zugang zu Balkonkraftwerken über ein Modell erleichtern, dass die kostenfreie oder bezuschusste Ausgabe von Balkonkraftwerken ermöglicht. Dafür werden aktuelle Herausforderungen in Bezug auf die Installation von Balkonkraftwerken mit verschiedenen Akteursgruppen (Wohnungsgesellschaften, soziale Träger, Stadtwerke) ermittelt und analysiert. Zudem werden verschiedene Finanzierungsmodelle geprüft (u.a. Spenden, Fördermittel, Mitgliedsbeiträge und CO2-Kompensationszahlungen), die eine Verstetigung des Angebotes auch über das Projektende hinaus ermöglichen. Insbesondere die durch Balkonkraftwerke durchschnittlich erzielte Co2-Einsparung bietet eine Grundlage, perspektivisch Kompensationszahlungen regionaler Akteure zu akquirieren und ggü. der Vielzahl bestehender Kompensationsplattformen vor Ort zu investieren.   

Eine initiale Herausforderung stellt die Auswahl und Ansprache der Haushalte dar. Hier soll eine Zusammenarbeit mit dem Stromsparcheck der Caritas, der Tafel Weimar und Wohnungsunternehmen in Weimar Zugang zur Zielgruppe ermöglichen. Der Kontakt zu diesen Multiplikatoren besteht bereits bzw. wird über die Stadt Weimar hergestellt (siehe LoI). Dabei werden geeignete Formate zur zielgruppenspezifischen Ansprache erarbeitet und in einem Pilotversuch getestet. Hierfür werden 10-15 Balkonkraftwerke an Haushalte in Weimar ausgegeben und die zuvor ausgearbeiteten zielgruppenspezifischen Anspracheformate evaluiert: Bei am Pilotversuch beteiligten Haushalten werden Einstellungen und Engagement in der sozial-ökologischen Transformation erhoben und ausgewertet. Zusätzlich wird das Nutzerverhalten analysiert. Für den Transfer wird ein Leitfaden entwickelt. 

 Ziele des Projektes sind:  

  • Kosteneinsparungen: Einkommensschwache Haushalte haben weniger Stromkosten, da sie den durch die Balkonkraftwerke erzeugten Strom nicht aus dem Netz beziehen müssen. Zudem sind sie weniger anfällig für Preisschocks in Krisenzeiten. 

  • Klimafreundliche Stromproduktion: Die Balkonkraftwerke produzieren PV-Strom und tragen somit zur Dekarbonisierung des Energiesystems bei. Zudem produzieren sie den PV-Strom direkt am Ort des Verbrauchs. 

  • Aktivierung: Die Haushalte partizipieren durch die Balkonkraftwerke an der Energiewende und erleben Selbstwirksamkeit. Die Nutzung von Balkonkraftwerken steigert die Akzeptanz für die Energiewende und regt zur weiteren Beschäftigung mit Themen der Nachhaltigkeit an. 

Das Projekt verbindet den Gedanken der sozialen Teilhabe mit Klimaschutz und fördert die lokale Energiewende in Weimar. 

 

Innovation

Das Projektvorhaben nutzt eine zielgruppenspezifische Ansprache von einkommensschwachen Haushalten, um diese zur Nutzung von Balkonkraftwerke anzuregen. Gleichzeitig soll ein Modell zur kostenlosen oder vergünstigten Ausgabe von Balkonkraftwerken insbesondere finanzielle Hürden bei der Anschaffung senken. Damit werden kommunikative, soziale und technische Aspekte zu einem innovativen Modell verzahnt und soziale Gerechtigkeit und Energiewende ganz praktisch miteinander verbunden.  

Während viele Angebote im Bereich Solarenergie vor allem Haushalte erreichen, die bereits über finanzielle Mittel, Wohneigentum oder gute Informationszugänge verfügen, richtet sich dieses Projekt gezielt an Haushalte, die in diesen Punkten benachteiligt sind. Damit nimmt es eine Zielgruppe in den Blick, die von steigenden Energiekosten besonders betroffen ist, aber bisher nur selten direkt von Maßnahmen der Energiewende profitiert.  

Das Projekt entwickelt und evaluiert zudem eine Ansprache an eine neue Zielgruppe: Einkommensschwache Haushalte. Balkonkraftwerke werden dabei als Instrument für Teilhabe und Aktivierung verstanden. Sie sollen zu einem Gefühl der Selbstwirksamkeit beitragen und zu weiteren nachhaltigen Verhalten anregen. Gerade diese Untersuchung von weitergehenden Wirkungen verspricht neue Erkenntnisse, die für künftige Programme und politische Entscheidungen relevant sein kann. 

Das Projekt bringt zudem unterschiedliche Akteursgruppen zusammen, die bisher oft getrennt voneinander arbeiten: Bürgerenergie, Wissenschaft, soziale Träger, Wohnungswirtschaft, kommunale Akteure und weitere lokale Partner werden in einem gemeinsamen Lösungsprozess eingebunden. Dadurch sollen Hemmnisse bei Ansprache der Zielgruppe, Finanzierung, Installation und Betrieb systematisch identifiziert und bearbeitet werden. Aus einzelnen Erfahrungen soll so ein tragfähiges und übertragbares Modell entstehen. 

Ein besonderer Fokus liegt auf dem geplanten Pilotvorhaben, bei dem die Ausgabe von Balkonkraftwerken an einkommensschwache Haushalte getestet wird. Hierdurch können praxisnah Erkenntnisse gesammelt werden. 

Es wird im Projekt darüber hinaus untersucht, wie ein solches Angebot dauerhaft organisiert und finanziert werden kann. Dazu werden innovative Finanzierungswege geprüft, etwa Spenden, Fördermittel oder weitere gemeinschaftsbasierte Ansätze. Insbesondere die Finanzierung über lokale CO2-Kompensationszahlungen ist ein neuer Ansatz, deren Machbarkeit im Projekt untersucht wird. Die erzielten Co2-Einsparungen sollen eine Grundlage bieten, um mit regionalen Akteuren über Kompensationszahlungen direkt vor Ort zu sprechen. Dadurch müssen Kompensationszahlungen nicht mehr anonym geleistet werden, sondern können einen direkten Effekt vor Ort erzielen.  

Weimar erscheint als passende Pilotregion, da sich die Stadtpolitik bereits intensiv mit dem Thema Balkonkraftwerke auseinandergesetzt hat. Eine mögliche Förderung ist an Bedenken bzgl. hoher Verwaltungskosten gescheitert. Das Projektvorhaben will hier eine innovative und schlanke Lösung aufzeigen. Die Stadt hat sich zudem in einem LoI zu einer Beteiligung als assoziierter Partner bereit erklärt, was die Offenheit für das Thema unterstreicht. 

6. Regionale Wertschöpfung durch PPA zwischen KMU und BEGen

BürgerEnergieGenossenschaft Kraichgau eG | Hochschule Karlsruhe 

 

Projektidee

Das Projektziel besteht darin, lokale mittelständische Unternehmen mit Energie zu beliefern, die von Bürger­energie­genossenschaften (BEGen) erzeugt wird. Dies erfolgt über langfristige Stromlieferverträge, sogenannte Power Purchase Agreements (PPA), wodurch die Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien wirtschaftlich betrieben werden können. Gleichzeitig erhalten die Unternehmen Zugang zu langfristig günstigen und subventionsfreien Strombezugskosten. 

BEGen stehen vor wachsenden wirtschaftlichen Herausforderungen: Neue regulatorische Rahmenbedingungen, absehbare Veränderungen im EEG-Förderregime und Unsicherheiten in der Direktvermarktung erschweren den Betrieb bestehender Anlagen und die Finanzierung neuer Projekte. Mittelständische Unternehmen wiederum leiden unter hohen und stark unsicheren Strompreisen, was langfristige Planungen erschwert und Investitionsentscheidungen verzögert. 

PPAs bieten eine Lösung: Sie ermöglichen langfristig kalkulierbare Strompreise für Unternehmen sowie verlässliche Einnahmen für BEGen. Bisher sind PPAs vor allem Großunternehmen vorbehalten, da die erforderlichen Analysen, Risikobewertungen und Beschaffungsstrategien komplex sind. Für mittelständische Unternehmen und BEGen fehlen bisher geeignete Modelle, die diese wechselseitigen Anforderungen praxistauglich abbilden. 

Das Projekt setzt genau hier an. Es untersucht mithilfe von Simulationsmodellen zwei typische Unternehmenssituationen, ein Unternehmen mit und eines ohne Prozesswärmebedarf und modelliert und simuliert deren Energiesysteme und deren Versorgung über PPAs aus den Erzeugungsanlagen einer oder mehrerer BEGen. Dabei werden sowohl die technischen als auch die wirtschaftlichen Risiken auf beiden Seiten modelliert und bewertet. Auf Unternehmensseite liegt zusätzlich der Fokus auf der Reststrombeschaffung und dem Umgang mit einem Überangebot. Auf Seiten der BEG wird untersucht, welche PPA-Modelle, etwa Hybrid- oder Multi-Source-PPAs, besonders geeignet sind und wie überschüssiger Strom sinnvoll vermarktet werden kann. Auch virtuelle PPAs werden praxisnah betrachtet. Eine besondere Rolle übernehmen dabei die regionalen Genossenschaftsbanken und Sparkassen: Als Finanzpartner beider Seiten können sie PPA-basierte Geschäftsmodelle bewerten, Risiken einordnen und auf Basis der planbaren PPA-Einnahmeströme Investitionen in neue BEG-Projekte ermöglichen.  

Aus der Kombination von Energiesystemsimulation, Risikoanalyse und realen Akteursbedürfnissen entsteht ein praxisnahes Instrumentarium, das BEGen hilft, PPAs als zukunftsfähiges Vermarktungsmodell zu entwickeln. Gleichzeitig erhalten mittelständische Unternehmen einen strukturierten Zugang zu regionalem, kostengünstigem und erneuerbarem Strombezug. Das Projekt stärkt so die lokale Wertschöpfung, die regional verankerte Energiewende und eröffnet beiden Seiten eine langfristige wirtschaftliche Perspektive. 

Ziel ist es, am Beispiel der BEG Kraichgau und regionalen Mittelständlern aufzuzeigen, wie PPAs als regionales Vermarktungs- und Versorgungsmodell konkret umgesetzt werden können. Auf Basis einer modellgestützten Analyse realer Erzeugungs- und Verbrauchsdaten werden konkrete Handlungsempfehlungen erarbeitet: Für die BEG zur wirtschaftlich tragfähigen Vermarktung ihrer Anlagen, für das Unternehmen zur langfristig planbaren und kostenstabilen Stromversorgung. Die Empfehlungen sind übertragbar auf andere BEGen und Unternehmen und leisten so einen Beitrag zur Skalierung regionalwirtschaftlicher Energiewendemodelle. 

 

Innovation

Bürger­energie­genossenschaften stehen vor der Aufgabe, ihre wirtschaftliche Rolle in der Energiewende langfristig zu sichern. Klassische Vergütungsmodelle verlieren an Stabilität, während gleichzeitig neue Vermarktungswege insbesondere PPAs bisher kaum erschlossen sind. Das vorliegende Projekt schafft hierfür erstmals eine strukturierte Grundlage und eröffnet BEGen einen Zugang zu einem Markt, der insbesondere aufgrund von Anforderungen an Bonität, Vertragsvolumina und Transaktionskompetenz bisher nahezu ausschließlich großen Anlagenbetreibern vorbehalten ist.  

Die Innovation des Projekts basiert auf vier zentralen Elementen: 

1. Beidseitige Modellierung 

Es wird ein Modell entwickelt, das sowohl die Perspektive der BEG als auch die des mittelständischen Unternehmens abbildet. Es berücksichtigt variable industrielle Energiesysteme, Erzeugungsprofile, Energiebedarfe, Risiken, Reststrombedarfe, Umgang mit Reststrommengen, Tarifmodelle und Vermarktungsoptionen sowie finanzwirtschaftliche Aspekte in einem integrierten Ansatz. 

2. Bepreisung PPA, dynamischen Stromtarifen und Risikobewertung 

Die integrierte Betrachtung von PPA-Design, dynamischen Stromtarifen und Risikobewertung ist für mittelständische Unternehmen bislang nicht systematisch erfolgt. Neben der kostenbasierten Ableitung der Stromgestehungskosten wird eine Strompreisprognose als zentrale Bewertungsgrundlage für die Reststrombeschaffung entwickelt. Darauf aufbauend zeigt das Projekt, wie sich Risiken in PPAs für beide Vertragsparteien bewerten, reduzieren und sachgerecht in die Preisgestaltung integrieren lassen. Während variable Stromtarife vor allem Marktpreisrisiken abbilden, verschieben PPAs die Risikostruktur hin zu Mengen-, Profil-, Bonitäts- und Opportunitätsrisiken. 

3. Praxistauglichkeit und direkte Anwendbarkeit 

Das Modell wird auf reale Unternehmen und reale Bürgerenergiegenossenschaftsanlagen angewendet. Dadurch entstehen sofort nutzbare Handlungsempfehlungen, die BEGen direkt in ihre zukünftigen Projektentwicklungen integrieren können. 

4. Grundlage für neue regionale Wertschöpfungsketten 

Durch PPAs wird eine stabile Kooperation zwischen regionalen Unternehmen und Bürgerenergieprojekten möglich. Das Projekt schafft damit ein Modell, das wirtschaftliche Stabilität, CO₂‑Reduktion und Bürgerbeteiligung verbindet. 

Die Förderung ermöglicht es, diese innovative Marktöffnung wissenschaftlich fundiert, praxistauglich und für BEGen bundesweit anwendbar auszugestalten. Das Projekt wirkt damit gleichzeitig auf zwei zentrale Herausforderungen: Die Sicherung bezahlbarer Energie für den Mittelstand und die wirtschaftliche Stabilität der regionalen Energiewende. 

Um die wechselseitigen Anforderungen von BEG und mittelständischen Unternehmen modellbasiert und anwendungsorientiert zu analysieren und geeignete PPA-Modelle für beide Seiten zu bewerten, ist ein erheblicher personeller Aufwand in Forschung und Datenerhebung erforderlich. Die zusätzliche Betrachtung der Finanzierungsseite mit der Risikobewertung erhöht die Komplexität weiter. Dieser Gesamtaufwand kann weder von der BEG-Kraichgau noch von einzelnen Unternehmen oder der Hochschule Karlsruhe getragen werden. Zudem fehlt auf beiden Seiten die Skalierung. Das Projekt ist daher ohne die beantragten Fördermittel nicht realisierbar. 

7. Repower Bürgerenergie

Re-power People e.V. | FG Management regionaler Energie­versorgungssysteme an der BTU Cottbus - Senftenberg

 

Projektidee

Bürgerenergiegemeinschaften (BEG) haben ein Diversitätsproblem, was Gerechtigkeitsfragen aufwirft und ein langfristiges Fortbestehen gefährdet (Schwickert et al. 2025). Menschen in Vorständen und Aufsichtsräten sind in der Regel fortgeschrittenen Alters (Radtke und Ohlhorst 2021, Boostani et al. 2024). Daraus ergeben sich Herausforderungen. Zum einen besteht ein „Generationsproblem“: mühevoll aufgebaute Strukturen verfallen, sobald die Verantwortlichen ihre Tätigkeit nicht mehr ausüben können oder wollen. Zum anderen repräsentieren diese Gremien die Bevölkerung nicht: Frauen, Migrant*innen, Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene sind kaum vertreten. Die transformative Kraft von BEGs hängt jedoch maßgeblich von ihrem Mobilisierungspotential ab (Gregg et al.  2020). Um dieses zu stärken, braucht es neue soziale Innovationen im Kontext der BEGs (Sovacool et al. 2023). 

Bisher gewinnen BEGs neue Mitglieder / privates Kapital vorwiegend projektbezogen. Wenn sie z.B. eine PV-Anlage auf einem kommunalen Dach errichten, werden durch Veranstaltungen und Pressearbeit Investitions-Chancen und BE erklärt. Größere BEGs betreiben Ladenbüros, machen Messe-Auftritte, Werbung in Fußgängerzonen und verstetigen ihre Sichtbarkeit lokal und überregional z.B. durch Social-Media. Den Ansätzen ist gemein, dass sie wenig effektiv in die Breite der Gesellschaft wirken. Vor Allem junge Menschen werden so kaum erreicht. Daher bedarf es sozialer Innovation bei der Mobilisierung. 

Dafür schauen wir in Richtung der Klimabewegung, da sie mit BEGs das Ziel eint, die Energiewende voranzutreiben. Der Klimawandel zählt zu den zentralen globalen Krisen unserer Zeit und hat insbesondere junge Menschen in Bewegungen wie „Fridays for Future“ oder der Antikohle-Bewegung mobilisiert. Da BEGs dieser Herausforderung konstruktiv begegnen wollen und junge Menschen zugleich nach Lösungen suchen, bietet die Zusammenführung von Bürgerenergie und Klimabewegung großes Potenzial, um das Generationsproblem zu adressieren. 

Das sind die zentralen Fragen: Welche sozialen Innovationen aus der Klimabewegung können dazu beitragen, Bürgerenergie lokal zu verjüngen, diverser zu gestalten und Kapazitäten zu schaffen? Wie führen diese Verbindungen zu gegenseitiger Stärkung? Kann dadurch die BE zu einem nächsten Fokuspunkt für Klimabewegte werden? 

Wir suchen die Antworten praxisnah. Das bedeutet auf der einen Seite Methoden und Praktiken der Mobilisierung aus Klimabewegungen in der Bürgerenergie anzuwenden (z.B. Organising, Train-the-Trainer) um lokal neue Menschen zu mobilisieren und in Strukturen einzubinden. Zum anderen möchten wir das Narrativ der Bürgerenergie als transformativen Bewegungsakteur in der Klimabewegung verankern, um mit der Bewegung weitere Synergien zu kreieren.  

Ziel des Projektes ist es daher:  

1. Innovative Verbindungen sowie Synergiepotenziale zwischen Klimabewegung und BE zu identifizieren 

2. Diese in praktischen Anwendungen mit BEGs in Brandenburg durchzuführen und so BEGs zu stärken  

3. Best-Practices zu identifizieren und übertragbare Ansätze zu entwickeln  

Die wissenschaftliche Begleitung der sozialen Innovationen, von der Methodenauswahl, dem empirischen Design, über die Durchführung bis hin zur Evaluation garantiert, dass die Best-Practices übertragbar und skalierbar sind. 

 

Innovation 

Während ökonomische und technische Barrieren bereits erforscht sind, setzt unser Ansatz verstärkt auf wenig erforschte sozio-kulturelle Dimensionen (Wittmayer et al. 2022). Gleichzeitig sind soziokulturelle Faktoren zentrale Barrieren für diverse BEGs (Schwickert et al. 2025). Der sozial innovative Ansatz des Forschungsprojektes nimmt zwei Ausgangspunkte um die Frage des Generations- und Diversitätsproblems zu adressieren. Zum einen übertragen wir Methoden, die erfolgreich zu einer aktuell jungen Klimabewegung beitragen, in den Kontext der Bürgerenergie. Ziel ist es so neue Zielgruppen zu erreichen und gleichzeitig neue Rollen über den techno-ökonomisch-bürokratischen Raum hinaus zu etablieren (siehe Schwickert et al. 2025 für eine Übersicht aktueller Rollen).   

Durch ein interaktives Community Organising Konzept möchten wir die Basis brandenburgischer BEGs stärken, gezielt unterrepräsentierte Menschen ansprechen und inspirieren und so neue Führungspersonen aufbauen als auch Mitglieder für BEGs gewinnen. Hierfür nutzen wir soziokulturelle Organising Methoden wie gezielte Haustürgespräche, Umfragen, künstlerische Workshops und Interventionen oder Filmvorführungen, während wir gleichzeitig Orte des Austauschs und Kennenlernens schaffen. So binden wir aktive Menschen in Strukturen ein und zeigen konkrete Möglichkeiten des Mitwirkens auf, von der künstlerischen Gestaltung von Elementen, bis hin zu Koordinations- oder Repro-Aufgaben. Unsere Zielgruppe sind junge Menschen (unter 30), insbesondere Frauen/Flintas und in BEGs unterrepräsentierte Gruppen. 

Zum anderen soll in die Klimabewegung hineingewirkt werden: Indem wir BEGs und Energiesouveränität als Organisierungsmöglichkeit in Zeiten globaler Krisen aufzeigen, möchten wir einen nächsten Fokuspunkt für Klimabewegte setzen. So können sie aktiv und solidarisch ihre Kenntnisse anwenden, um Menschen insbesondere in ländlichen Energieerzeugungsorten zu organisieren, in denen die Klimabewegung bislang wenig präsent war. Dafür soll zu Beginn des Projektes das Narrativ der Bürgerenergie als transformativer Bewegungsakteur gestärkt werden. Hier werden wir die synergistischen Potenziale von Klimabewegung und Bürgerenergie aus Sicht verschiedener Transformationsmodi (Wright 2010, 2019) analysieren. Wir bringen sie mit den aktuellen Problemen der jeweiligen Akteure (Generationsproblem der BE und Bewegungstief/Selbstwirksamkeit der Klimabewegung) in Verbindung. Diese Erkenntnisse sollen sowohl in einer bewegungsnahen Zeitschrift veröffentlicht werden, als auch Einklang in Mobilisierungsworkshops auf Veranstaltungen der Klimabewegung wie bspw. Klimacamps finden. 

Beendet! 3. Förderaufruf für CommunitE-Innovationsprojekte

Innovative Projekte können im Rahmen der Bürgerenergie-Innovationscommunity „CommunitE“ mit 100.000€ gefördert werden. Die Frist zu Einreichung von Projekten für diese Förderung lief bis zum 26.04.2026, 23:59 Uhr.

 

Beendet! 2. Förderaufruf für CommunitE – Schwerpunkt Wärme

Innovative Wärme-Projekte können im Rahmen der Bürgerenergie-Innovationscommunity „CommunitE“ mit 100.000€ gefördert werden. Die Frist zu Einreichung von Projekten für diese Förderung lief bis zum 11.01.2026

Beendet! 1. Förderaufruf für CommunitE-Innovationsprojekte

Die Frist zur Einreichung von Projekten für diese Förderung lief bis zum 31.08.2025. Am 17. Juni gab es eigens für den Förderaufruf ein Webinar zur Ideenfindung und Beratung zum Antragsprozess.

Die Aufzeichnung des Webinars ist hier zu finden: Aufzeichnung

Kontakt

Sie möchten mehr über das Projekt erfahren oder haben Fragen zu den Ausschreibungen? Dann kommen Sie gern auf uns zu. Wir beraten und unterstützen Sie bei Ihrem Anliegen und freuen uns über Ihr Interesse.

Lydia Takit

Geschäftsführende Vorständin und Leiterin der Geschäftsstelle

Bündnis Bürgerenergie e.V.

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