Regional- und Energiegenossenschaft Aller-Leine-Weser eG | Reiner Lemoine Institut gGmbH
Projektidee
Mit unterschiedliche Typen von Photovoltaikanlagen – Dach-, Freiflächen- und vertikale Agri-PV-Anlagen, smart gebaut, das Dorf und die Region umfassend versorgen:
Viele Bürgerenergie-Gemeinschaften (BEG) sind vor allem in der Stromproduktion tätig. Der erzeugte Strom wird eingespeist und vermarktet, während die Mitglieder und Nachbarn der BEGs ihren Strom wieder von anderen Stromanbietern zu kaufen, während sie gerne möglichst viel Strom „ihrer“ BEG beziehen würden.
Kapitalintensive Investitionen in Batteriespeicher sind für BEGs mit finanziellen Risiken verbunden und BEGs fehlt das Know-How für einen eigene Betrieb inkl. Vermarktung. Das Projekt setzt daher auf unterschiedliche PV-Anlagen-Type, mit unterschiedlichen Erzeugungsprofilen, die gut von BEGs gebaut und betrieben werden können, um die Stromversorgung zu diversifizieren. Die Versorgung der Mitglieder und anderer Verbraucher in der Region erfolgt über Energy-Sharing.
Energy-Sharing bezeichnet Modelle, bei denen erneuerbarer Strom gemeinschaftlich genutzt und über das Verteilnetz zwischen verschiedenen Akteur:innen geteilt werden kann. Ziel ist die Stärkung der gemeinschaftsgetragenen Energieversorgung vor Ort.
Das Projekt kombiniert unterschiedliche PV-Anlagentypen – Freiflächen-PV, Dach-PV und vertikale Agri-PV – mit verschiedenen Verbraucher:innen wie einem eCarsharing-Angebot, kommunalen Liegenschaften und Genoss:innen.
Das Projekt verzichtet sowohl bei der Stromproduktion, wie auch beim Verbrauch auf synthetische Daten und arbeitet mit Realdaten einer vertikalen Agri-PV-Anlage (senkrechte Ost- und Westausrichtung), Dachanlage in Nord- und Südausrichtung und einer Freiflächenanlage in Südausrichtung. Alle Verbraucher und Erzeuger befinden sich in der gleichen Gemeinde.
Konkret analysieren wir die Erzeugungs- und Lastprofile real existierender PV-Anlagen mit teilweise stark antizyklischem Erzeugungsprofil (senkrechte Agri-PV) und Verbraucher:innen und bauen darauf ein virtuelles Energy-Sharing-System auf: Strommengen werden virtuell/rechnerisch passenden Verbraucher:innen zugeordnet, Preismodelle werden so gestaltet, dass sie für alle Beteiligten fair und attraktiv sind und gleichzeitig höhere Erlöse ermöglichen als eine rein netzorientierte Einspeisung. Die Forschungspartnerin entwickelt dafür die mathematischen Modelle und Simulationswerkzeuge, die BEG-Praxispartnerin testet diese in einem Reallabor mit realen Anlagen und Nutzer:innen.
Das Projekt bleibt explizit in der Planungs-, Erprobungs- und Markttestphase: Es geht um Konzeption, Simulation, Mess- und Steuerungskonzepte sowie einen begrenzten Pilotbetrieb; dingliche Großinvestitionen in PV-Anlagen oder Gebäude sind nicht Gegenstand der Förderung. Die Ergebnisse werden so aufbereitet, dass andere BEG sie nachvollziehen und auf ihre eigenen Standorte übertragen können. Damit leisten wir einen Beitrag zu einer sozial-gerechten, lokal verankerten Energiewende und zur bundesweiten Innovations-Community von CommunitE-Innovation.
Innovation
Unser Projekt ist innovativ, weil es technische, wirtschaftliche und soziale Innovation miteinander verbindet und ausdrücklich an aktuellen Entwicklungen rund um Energy-Sharing-Communities anknüpft. Technisch kombinieren wir drei unterschiedliche PV-Anlagentypen – Freiflächen-PV, Dach-PV und senkrechte Agri-PV – in einem gemeinsamen Modell. Freiflächen-PV liefert hohe Erträge in der Mittagszeit, Dächer verstärken diese Spitzen, während vertikale Agri-PV-Anlagen vor allem morgens und nachmittags sowie bei diffuser Strahlung vergleichsweise gut produzieren und gleichzeitig landwirtschaftliche Nutzung zulassen. Diese komplementären Erzeugungsprofile werden systematisch mit Lastprofilen von eCarsharing, kommunalen Liegenschaften und Genoss:innen abgestimmt, um möglichst viel Strom direkt vor Ort zu nutzen.
Wirtschaftlich innovativ ist der Ansatz, ohne große Zentralbatterien auszukommen, die für kleinere Genossenschaften wegen hoher Investitionen und unsicherer Marktentwicklung oft schwer tragbar sind. Stattdessen untersuchen wir, wie weit man durch kluges Kombinieren von Anlagentypen, kleineren Speichern an strategischen Punkten (z.B. am Ladepark oder an einem kommunalen Gebäude) und intelligenten Tarifen kommt. Energy-Sharing wird dabei nicht nur als technische Option, sondern als neues Geschäftsmodell verstanden, das sowohl Erlöse der BEG stabilisiert als auch lokal faire und planbare Strompreise für Beteiligte bietet.
Die soziale Innovation liegt in der Organisationsform: Bürger:innen, Kommunen, weitere Genossenschaften und Nutzer:innen von Angeboten wie eCarsharing werden in ein gemeinsames Kooperationsmodell gebracht, das auf Transparenz, Mitbestimmung und lokaler Wertschöpfung basiert. Anders als klassische Lieferverhältnisse zwischen EVU und Endkund:innen erproben wir eine Form gemeinschaftlicher Energieversorgung, die Verantwortung, Risiken und Erträge auf mehrere Schultern verteilt und zivilgesellschaftliche Akteur:innen in den Mittelpunkt stellt.
Unser Projekt ist förderwürdig, weil es ein übertragbares Referenzmodell für BEG entwickelt, das sowohl an den geplanten Marktrahmen für Energy-Sharing als auch an bestehende Möglichkeiten wie gemeinschaftliche Gebäudeversorgung anknüpft. Es ergänzt laufende Modellprojekte zu Energy-Sharing, indem es speziell die Perspektive kleinerer Bürgerenergie-Genossenschaften mit begrenztem Kapital, aber vielfältigen PV-Portfolios einnimmt.


